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Die Auszubildenden von OSRAM auf Tour

26.10.2011

OSRAM Azubis auf Tour in den Alpen


Die Tour – das Medium zum „Miteinander“


Das Wandern ist seit jeher Tradition bei OUTWARD BOUND. Ein Einblick dazu, warum das erlebnispädagogische Unternehmen seit 60 Jahren bis dato daran festhält.

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Der raue Wind zerrt an den roten Ponchos der 11 Auszubildenden von OSRAM. Langsam und beschwerlich stapfen die Teilnehmer des OUTWARD BOUND Programms durch den Schnee. Die Gruppe orientiert sich auf den letzten dreihundert Höhenmetern anhand eines GPS-Geräts, weil der Weg nicht mehr erkennbar ist. Eine Sicht von weniger als zwei Metern, der Schnee, die Kälte, das neue Gelände – all das lässt die kleine Gruppe dicht beisammen bleiben. Wie automatisch reichen sie sich an schwierigen Stellen die Hände, kommunizieren intensiv miteinander, damit die Unternehmung sicher bleibt. An die Absprachen mit ihrem Trainer Werner Maderebner halten sie sich ehrfürchtig. „In diesen Ernstsituationen ist es wichtig, dass alle konzentriert sind“, sagt der OUTWARD BOUND Mitarbeiter aus Baad im Kleinwalsertal.

Werner Maderebner ist langjähriger Mitarbeiter in unserem renommierten Unternehmen OUTWARD BOUND, das seit 60 Jahren führender Anbieter für erlebnispädagogische Programme und Outdoor Trainings ist.

Ganz nach OUTWARD BOUND Philosophie werden die Gruppen unter anderem anhand von ausgewählten Situationen in der Natur vor Herausforderungen gestellt. Sie sind während der Aktionen darauf angewiesen, sich gegenseitig Vertrauen zu schenken oder freiwillig ihre persönlichen Grenzen auszuloten. In der Regel überträgt OUTWARD BOUND den Gruppen sehr viel Eigenverantwortung, wobei die Sicherheit der Teilnehmer immer an oberster Stelle steht. Die Standorte von OUTWARD BOUND Deutschland e.V. als gemeinnütziger Verein, in Schwangau im Allgäu (Bayern) mit den Ammergauer Alpen und dem weltbekannten Königswinkel, in Baad im Kleinwalsertal (Vorarlberg/Österreich) sind es die imposanten Berge, die kantigen Felsen, die weiten Aussichten, die schmalen Bäche oder die lang existierenden Schneefelder im Sommer, die Eindruck auf die Teilnehmer der OUTWARD BOUND Programme machen.

Auch die kleine Gruppe von Auszubildenden der Firma Osram, die sich durch den Schnee auf den Gipfel kämpft, ist fasziniert von den Gewalten und der unmittelbar zu spürenden Kraft der Natur. Gleichzeitig tauchen in so schweren Ernstsituationen von den Teilnehmern auch die Frage auf: „Warum tun wir uns das an?“ Eine Auszubildende sieht sich an ihren Grenzen. Ihren Rucksack hat sie bereits an die Gruppe abgegeben. Ohne die anderen hätte sie den Aufstieg auf den Fiederepass, 2.035m hoch nicht geschafft. Im Gegenteil – sie wollte abbrechen. Es hatte sie Mut gekostet, in einer klärenden Gesprächsrunde zu äußern, dass sie keine Kraft mehr für die Bergbesteigung hat. Sie wollte der Gruppe nicht zur Last fallen, hat sich schon die zwei Tourentage vorher durchgebissen, um nichts sagen zu müssen. Das Resultat war für ihre Mitmenschen jedoch unbefriedigend: Obwohl sie kämpfte, ging sie langsamer als die anderen, wodurch sich das Tempo aller verringerte, denn die Gruppe wartete auf sie. Dies wiederum bedeutete für alle längere Laufzeiten, eine höhere Anzahl an Pausen und letztlich Unzufriedenheit, die immer weiter wuchs. Die Erfahrung zeigt den Gruppenmitgliedern: Wenn die Einzelperson sich nicht wohl fühlt und das nicht äußert, wird das anfangs individuelle Problem in der Regel ein Problem für die gesamte Gruppe werden. „In unseren Kursen versuchen wir deshalb von Anfang an eine Feedback-Kultur einzuführen.

Feedback-Kultur ist Unternehmenskultur“, erklärt auch Werner Maderebner. Die offenen und täglich eingeflochtenen Gesprächsrunden sollen den Teilnehmern ermöglichen, sich gegenseitig ganz ehrliche Rückmeldungen zu geben, sich mitzuteilen und Probleme anzusprechen. Manche nehmen dieses Angebot sofort an, andere müssen sich erst überwinden. Das geschieht spätestens, wenn sie an ihre physische oder psychische Grenze gelangen.
Das miteinander Kommunizieren ist ein wesentlicher Baustein während des Aufenthaltes bei OUTWARD BOUND und speziell während der Tour. „Außerdem ist das Element der Tour so wichtig, weil die Teilnehmer, egal ob Auszubildende oder Schüler, in dem jeweiligen Maß von uns Selbstverantwortung übertragen bekommen“, erzählt Werner Maderebner. Bei einer vom Trainer initiierten Aufgabenstellung zur Teamfindung führt ein Scheitern vielleicht zu Unzufriedenheit, bei einer Wanderung jedoch kann Scheitern bedeuten, an Kraftreserven gehen zu müssen. Das Laufen in den Voralpen stellt ernste Situationen dar, die den jungen Menschen oftmals unter die Haut geht. Schwere Rucksäcke, das Gruppentempo und individuelle Bedürfnisse lassen Gruppenprozesse anschwellen. Die Einflüsse aus der Natur tun ihr Übriges. Hautnahes Lernen für das Alltagsleben im Beruf – so sieht es der Logistik- Leiter der Auszubildenden. Er begleitet die Gruppe, um sich ein Bild von den Auszubildenden-Trainings zu machen und sieht die Parallelen zu den Abläufen in ihrem Unternehmen.

Im kleinen Rahmen erleben die Teilnehmer die Folgen ihres Verhaltens, die generalisierend auf ihre Ausbildung, auf ihr Ausbildungsunternehmen, übertragbar sind. So, wie in dem Beispiel der Auszubildenden, die die Gruppe aufhielt, weil es ihr unangenehm war, um Hilfe zu bitten oder Schwäche einzugestehen. Dadurch kann sich ein Teufelskreis bilden: Es entstehen Missverständnisse, weil beide Seiten (Einzelperson und Gruppe) unehrliche, vorgeschobene Begründungen anbringen. Dies wiederum führt zu unterschwelligen Vorwurfshaltungen, mangelndem Vertrauen und letztlich zu Unmut oder Konflikten in der Gruppe. Die Betroffenen beginnen über-, statt miteinander zu reden. Dadurch entsteht ein sich spürbar veränderndes Gruppenklima, das möglicherweise Einfluss auf die Leistungsbereitschaft jedes Einzelnen hat.

Dies zieht dann auch größere Kreise: Unlust zur Arbeit könnte auf Dauer dazu führen, dass es schneller zu Krankschreibungen kommt. Dies hat letztlich Einfluss auf die Qualität und Produktivität des gesamten Systems. – So könnte er aussehen, der Mikrokosmos einer Gruppe – transferierbar auf Abteilungen und letztlich auch auf Unternehmen. Diese Auswirkungen erlebten die Auszubildenden während ihres 9 Tage Aufenthaltes in Baad, vor allem in den spannenden Situationen auf der 3-Tages-Tour. Aus diesem Grund hält sich die „Tour“ als Programmbaustein in den OUTWARD BOUND Programmen. „Schon seit 60 Jahren ist es für unsere Arbeit ein wichtiges Medium. Unsere Erfahrungen mit dieser Tradition zeigen, dass es immer ein wichtiger Bestandteil bleiben wird, um Prozesse im Miteinander aufzuzeigen“, so OUTWARD BOUND Trainer Werner Maderebner.

Weitere Fotos gibt's in unserem öffentlichen Facebook-Album.

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